Donnerstag, 18. Juli 2019

Sommer



Endlich Sommer, endlich warm! Natürlich freuen wir uns über das schöne Wetter, Sonnenschein, laue Abende und die tolle Zeit, die wir nun wieder draußen verbringen können. Auch die Ausritte und die Gassirunden bereiten bei schönem Wetter mehr Freude. Und ich kann mich morgens, so lange es noch etwas kühler ist, wieder zum Joggen aufraffen. Eigentlich alles prima, oder? Doch bringt die Hitze auch Risiken mit sich, die nicht zu unterschätzen sind und wir noch mehr Acht auf uns, unsere tierischen Freunde und natürlich auch auf die Natur geben sollten. Dieser Sommer soll ja richtig heiß werden, was sich ja in der letzten Zeit auch schon deutlich gezeigt hat. 

In den Nachrichten und auf verschiedenen Portalen gab es bereits einige Warnungen, wie z.B. im Münchner Merkur: „Wetter-Experten sagen: Katastrophen-Sommer mit Extrem-Hitze droht 2019“ zu lesen. Zudem wird davor gewarnt, Tiere und Kinder bei hohen Temperaturen im Auto zu lassen. 

Und das ist auch gut so, denn leider unterschätzen immer noch viele die sommerlichen Temperaturen. Gerade jetzt, nachdem die erste große Hitzewelle vorbei zu sein scheint und es sich vermeintlich kühler anfühlt. Vorsicht ist nicht nur bei 40 Grad geboten, sondern auch schon bei geringeren Sommertemperaturen und die Stärke der Sonne ist auch momentan nicht zu unterschätzen. 

Trotz der Warnungen in den Nachrichten und der spürbaren Hitze besonders bei direktem Sonneneinfluss, sieht man Menschen zum Teil in der Mittagshitze in der prallen Sonne joggen oder mit ihren Hunden Fahrrad fahren bzw. diese vielmehr hinter sich vom Fahrrad aus herzuziehen. Sich selber in so eine anstrengende und belastende Situation zu bringen, sollte vielleicht auch mal überdacht werden, aber noch viel mehr, ob man das seinem Vierbeiner antut, für den man schließlich verantwortlich ist und dem es dabei nicht möglich ist, zu sagen, wenn es ihm zu viel wird. Das mag vielen nicht wirklich bewusst sein, aber die meisten Hunde würden lieber umfallen bevor sie ihr Herrchen oder Frauchen durch Aufgeben oder Widerstand enttäuschen.  

Ich selbst habe einen jungen Hund, der durchaus fit und aktiv ist. Dennoch lasse ich ihn bei den Temperaturen weder im Auto, auch nicht nur kurz, noch muss er neben dem Fahrrad herlaufen, höchstens am Abend mal für eine kurze Strecke, wenn es kühler ist. Nala darf bequem im Hänger mitfahren, wenn ich mal mit dem Fahrrad unterwegs bin. Das scheint allerdings für Viele so unnormal zu sein, dass ich ganz oft erstaunt angesehen und gefragt werde, ob mein junger und fitter Hund nicht laufen kann. Doch, kann er, muss er aber bei diesen Temperaturen einfach nicht!  

Vor ein paar Jahren habe ich einen Erste-Hilfe-Kurs für Hunde gemacht -ja so etwas gibt es und ist tatsächlich äußerst sinnvoll-, bei dem ich zu diesem Thema wichtige Informationen erhalten habe und aufgeklärt wurde.
Hunde sind in der Regel äußerst hitzeempfindlich. Bereits ab einer Körpertemperatur von 41 Grad kann es für sie, selbst wenn sie jung und agil sind, lebensgefährlich werden. Sie haben so gut  wie keine Schweißdrüsen, nur wenige im Pfotenbereich, und schwitzen daher nicht wie Menschen, sondern eine Thermoregulation erfolgt über Verdunstung (Hecheln). Dabei verbraucht der Hund viel Energie und Flüssigkeit und es liegt an uns, unsere Hunde zu schützen und auf sie aufzupassen. Denn – wie bereits erwähnt – würden die meisten Hunde für ihr Herrchen oder Frauchen fast alles tun, wenn es von ihnen verlangt wird und dabei gehen sie dann leider oft auch über ihre Grenzen hinaus. Die Verantwortung liegt also bei uns Haltern, so dass wir unseren Hunden Fahrradtouren bei heißem Wetter, lange Spaziergänge in der Hitze auf heißem Asphalt und das Warten im Auto bei Sommertemperaturen ersparen sollten, um sie nicht in eine lebensgefährliche oder schmerzhafte Lage zu bringen.
Doch selbst wenn wir aufpassen, kann es leider passieren, dass Hunde überhitzen oder sogar einen Hitzschlag erleiden, so dass es wichtig ist zu wissen, wie man in einem solchen Fall handeln kann, um Schlimmeres zu vermeiden und unserem Vierbeiner im Notfall zu helfen. 

Zunächst ist es hilfreich, die Zeichen deuten zu können, um die Gefahr so früh wie möglich zu erkennen. In dem Erste-Hilfe-Kurs habe ich gelernt, dass folgende Symptome auf einen Hitzschlag hindeuten können: Starkes Hecheln, beschleunigter Pulsschlag, schnelle flache Atmung, erhöhte Körpertemperatur, tiefrote Zunge, blasse Schleimhäute, glasiger Blick, eingefallen wirkende Augen, Erbrechen, Erschöpfung, Krämpfe, taumelnder Gang/Gleichgewichtsstörungen, Bewusstseinsstörungen/apathisches Verhalten, Bewusstlosigkeit. 

Wenn der Hund noch bei Bewusstsein ist, sollte man versuchen, ihn langsam und vorsichtig abzukühlen, indem man ihn an einen kühlen Ort bringt (z.B. Schatten oder kühler Raum), oder ihn mit den Pfoten in einen Bach/in ein Wasserbad stellt und ihm vor allem die Möglichkeit zum Trinken gibt (aber nie dem Hund Wasser mit Zwang einflößen!). Je schwerer der Fall, desto langsamer und behutsamer sollte die Abkühlung vorgenommen werden. Eine zu schnelle Absenkung der Temperatur wird der ohnehin schon angeschlagene Kreislauf nicht oder nur schlecht verkraften. Sofern der Hund schon zusammengebrochen oder sogar bewusstlos ist, muss besonders vorsichtig, und wenn möglich in stabiler Seitenlage, mit dem Herunterkühlen, am besten an den Gliedmaßen, begonnen werden. Eine gute Dosierung lässt sich durch ein feuchtes Tuch oder kalte Kompressen (Kopf, Hals und Leistenbereich/Schenkelinnenseiten) erreichen. Und dann sollte der Hund gegebenenfalls so schnell wie möglich zum Tierarzt gebracht werden. 

Auch wenn ich wirklich extrem aufpasse, bin ich durch dieses Wissen beruhigt und verstehe auch besser, auf was zu achten ist. Ich kann daher einen Erste-Hilfe-Kurs für Tiere (und natürlich auch für Menschen) wirklich nur empfehlen. Dann ist man im Notfall gerüstet und kann handeln. Aber besonders bekommt man dadurch auch nochmal ein besseres Bewusstsein. Denn in erster Linie sollten Notfallsituationen selbstverständlich so gut wie möglich vermieden werden und wir sollten sorgsam mit uns, unserem Umfeld und besonders mit denen, für die wir verantwortlich sind, umgehen. 

Der Sommer kann doch durchaus auch entspannt und achtsam genossen werden 😊

Montag, 11. März 2019

Perlene Hochzeit - oder halt so ähnlich 😊


Ein Ehepaar feiert nach 30 Jahren Ehe die sogenannte Perlenhochzeit. Klingt doch interessant, oder? Der Name kommt wohl daher, dass sich nach einem so langen Zeitraum die vielen gemeinsamen Jahre aneinanderreihen, wie die Perlen bei einer Perlenkette. Das finde ich einen sehr schönen Vergleich. 

Zwar kann ich keine 30-jährige Ehe vorweisen, aber eine durchaus ebenfalls langjährige Beziehung - allerdings zu meiner Ponystute Fee. Fee und ich feiern dieses Jahr auch unser dreißigjähriges Zusammensein. Und da mir die Begrifflichkeit Perlenhochzeit und besonders deren Bedeutung gut gefällt, verwende ich diesen Begriff, natürlich scherzhaft, nun auch für unser diesjähriges Jubiläum. 

Auch wir haben in den vielen Jahren so einiges zusammen erlebt und Fee hat für mich dadurch eine ganz besondere Bedeutung erlangt. In 30 Jahren passiert viel und man macht die verschiedensten Entwicklungsstadien miteinander durch, besonders, wenn man sich mit gerade mal jungen 7 Jahren zusammenfindet. Fee und ich waren sogar gleich alt, als sie zu uns kam. 

Ich bin mir sicher, dass meinen Eltern die Konsequenz zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich bewusst war, zumindest hatte keiner dran gedacht, dass es mehr als 30 Jahre werden würden. Besonders mein Vater, meine ich, hatte erwartet, dass das Interesse abflachen und wir sie wieder hergeben würden. Er war nicht so der Tiermensch und hatte da eine etwas andere Einstellung dazu. Dass er sich geirrt hatte und dass diese Anschaffung so ein Ausmaß erreichen würde, bemerkte er erst später. Denn ich verlor weder während meiner Teenagerzeit noch später das Interesse, bzw. wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, sie irgendwem zu geben oder mich nicht mehr um sie zu kümmern. Fee blieb und machte damit auch meine ganzen Lebensphasen, diverse Umzüge und jedes Hoch und Tief mit - einfach alles, was die Jahre so mit sich brachten. Natürlich gab es dabei auch schwierige Zeiten, besonders als die Eltern ihre Unterstützungsbereitschaft zurückschraubten und es musste auch auf einiges verzichtet werden. Doch auch solche Phasen gehören zu einer guten Partnerschaft!

Die Erfahrung dieser langen und intensiven Beziehung möchte ich nicht missen und bereue nicht, mich für diesen Weg entschieden zu haben, beziehungsweise ihn durchgehalten zu haben, auch wenn es manchmal nicht so einfach war. 

Fee war immer da und passte sich anstandslos an. Mal war sie kurzzeitig Turnierpony, natürlich in nur sehr geringem Ausmaß, dann musste sie auch mal durch eine Art Westernphase mit mir durch. Letztlich sind wir aber beim Freizeitreiten geblieben und haben unsere gemeinsamen Ausritte genossen. 

Obwohl sie ein recht eigensinniges Pony war und ist, hat sie alles geduldig und ich glaube auch mit Freude mitgemacht. Sie war sehr edel (mit einer ordentlichen Portion Araber im Blut) und präsentierte ihre Eleganz auch gerne anderen. Manchmal ging es dann auch in Hysterie über, da sie doch sehr viel Power hatte. Sie muss wohl in ihren ersten Jahren sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben, denn zu Beginn hat sie niemanden in ihre Box gelassen und war Menschen gegenüber äußerst skeptisch, ja fast schon aggressiv. Erst wenn man es geschafft hatte, ihr das Zaumzeug anzulegen, war sie brav und zeigte sich als super Reitpony. Sie hatte unglaublich tolle Gänge, vor allem einen gigantischen Mitteltrab, so dass die Leute oft stehen blieben und ihr zusahen. Doch auch wenn sie beim Reiten meistens sehr spritzig war, war sie aber nie unfair oder hinterlistig. 

Natürlich war es für mich als Kind nicht ganz ungefährlich, aber ich war nie unbeaufsichtigt mit ihr allein und letztlich war es mit Sicherheit genau die kindliche Unbedarftheit, die Fee lernte, wieder Vertrauen zu Menschen zu fassen. Wir haben sie so genommen wie sie war und sind stets gut mit ihr umgegangen. Das hat sich bezahlt gemacht und Fee fasste immer mehr Vertrauen und wurde immer umgänglicher. Eigen ist sie heute noch und vielleicht hat sie auch genau das so alt werden lassen. Sie wirkt mittlerweile sehr zufrieden und mit sich im Reinen - das klingt vielleicht komisch, aber genauso macht es den Anschein. Und das ist so schön mit anzusehen und macht mich immer wieder glücklich. Besonders toll ist, dass wir vor einigen Jahren auch noch den perfekten Stall für Fee gefunden haben, in dem sie  gut umsorgt wird und sie jeder so akzeptiert wie sie ist. 

Zwar kann ich sie nicht mehr reiten und auch die gemeinsamen Spaziergänge werden immer kürzer und weniger, da sie nicht mehr gut sieht und hört, was in Kombination mit der immer noch in ihr steckenden Hysterie etwas gefährlich ist. Doch freue ich mich immer noch jedes Mal, wenn ich sie sehe. Egal wie gestresst man ist, sobald man zu ihr in den Stall kommt, ist alles wieder gut. 

Es ist unglaublich, dass ich Fee schon fast mein ganzes Leben kenne und sie mich beim Aufwachsen, in meiner Schul- und Studienzeit, beim Berufseinstieg, bei privaten Veränderungen und Schicksalsschlägen sowie in allen Phasen meines Lebens in den letzten 30 Jahren begleitet und unterstützt hat. 

Ich bin sehr dankbar für diese tolle Beziehung, diese außergewöhnliche Freundschaft und freue mich, dieses besondere Jubiläum dieses Jahr mit ihr feiern zu dürfen 😊

Montag, 3. Dezember 2018

Freundschaften


Wenn man mit Tieren zusammenlebt, weiß man, dass sie genauso Freundschaften schließen können, wie Menschen. Sie unterscheiden und wissen genau, wer Freund, Bekannter oder auch Feind ist und sie erkennen einander meistens sogar nach Jahren wieder. 

Ich selbst habe das bei meinen eigenen Tieren beobachtet.  

Meine Hündin Mira, die leider Anfang des Jahres verstorben ist, hat Hunde beim Spaziergang schon aus weiter Ferne zuordnen können. Man sah sofort, ob der Hund für sie Freund oder Feind war bzw. ob sie vor ihm Angst hatte oder nicht. Mira hatte leider aufgrund schlechter Erfahrung oft Angst und war eher unsicher, doch gab es auch viele Hunde, die sie wirklich mochte. Für mich war dabei kein Schema zu erkennen, aber sie hatte ihre ganz eigene konkrete Einteilung. 

Ein Hund, den sie als Baby kennengelernt hatte, war Diego, ein großer schwarzer Rüde. Diego fiel eigentlich genau unter die Kategorie Hund, vor denen Mira später immer Angst hatte. Doch Diego kannte sie von klein auf und hatte mit ihm nur positive Erfahrungen gemacht. Das merkte sie sich genau. Nach einigen Jahren Pause, trafen wir Diego wieder. Mira hat ihn sofort erkannt und sich riesig über das Wiedersehen gefreut. Obwohl sie sich nur so selten sahen, waren sie einfach Freunde, auch noch nach Jahren! 

Auch meine Stute Fee, die eigentlich eine Einzelgängerin ist, hat es in ihrem hohen Alter von 36 Jahren doch nochmal geschafft, Freunde oder besser gesagt gute Bekannte zu finden und selektiert nach wie vor ganz genau, mit wem sie engeren Kontakt haben möchte und vor wem sie lieber Abstand hält. 

Doch nicht nur innerhalb einer Art können enge Verbindungen oder Freundschaften unter Tieren entstehen, sondern durchaus auch übergreifend und bunt gemischt. Da gibt es die aus unserer Sicht kuriosesten Vereinigungen: Ein Hund ist der beste Freund eines Affen, eine Katze schläft auf dem Rücken eines Pferdes, ein Meerschweinchen schmust mit einem Hund….Nichts scheint unmöglich, wenn nur die Chemie stimmt und man sich wahrscheinlich auch einfach zum richtigen Zeitpunkt kennenlernt. 

Dadurch bestätigt sich besonders auch, was für mich immer schon, aber scheinbar leider noch nicht für jedermann, selbstverständlich ist: Auch Tier haben Gefühle. Und es gibt keine Regeln, wer wen mögen darf und wer zusammengehört und wer nicht. 

So sehen dies anscheinend auch mein Hund Nala und meine Katze Amy. Sie sind zwischenzeitlich richtig dicke Kumpel geworden. Von wegen „wie Hund und Katz“ 😀.
 
Eine Freundschaft zwischen Hund und Katz ist vielleicht nicht ganz so kurios, aber dennoch für mich etwas Besonderes. Es scheint so, als hätten die beiden in einer relativ kurzen Zeit schon eine richtig tiefe Verbindung zueinander aufgebaut. 

Anfangs war ich noch etwas skeptisch, ob Amy Nala wirklich akzeptieren und mögen würde, da es noch nicht so lange her ist, dass unsere treue Freundin Beagle-Mix-Hündin Mira gestorben ist. Amy war mit ihr zwar nicht ganz so eng, aber dennoch mochten und akzeptierten sie sich. Sie lagen gemeinsam im Garten oder nebeneinander in den Betten. Gekuschelt und gespielt wurde zwar nie, aber sie freuten sich dennoch, wenn wir gemeinsam Zeit verbrachten oder wenn sie sich einfach sahen. Das war auch nicht selbstverständlich, da Mira zuerst da war als Amy dazu kam und sie als Beagle durchaus einen Jagdtrieb besaß. Dennoch klappte es erstaunlich gut mit den beiden. Mira behielt aber stets ihre Chefposition und die Oberhand. 

Als Mira dann starb, war Amy richtig fertig und schien zu trauern. Die ersten zwei Tage war sie sehr aggressiv und wütend, dann kamen zwei ruhige Wochen, wo sie traurig und bedrückt wirkte. Sie war fast nur drinnen, sehr anhänglich und ruhig und lag fast ausschließlich in Miras Bett. Danach rappelte sie sich wieder auf und es ging ihr langsam besser.

Daher war ich zunächst unsicher, ob Amy einen anderen Hund akzeptieren würde, aber ein Leben ohne Hund war für mich keine Option. So beschloss ich es zu wagen und kam über eine gute Fügung zu Nala. Nachdem ich sie gesehen hatte, war für mich klar, dass sie die richtige war. Meinen anfänglichen Bedenken zum Trotz, hatte ich plötzlich ein gutes Gefühl und war optimistisch, dass auch Amy sie mögen würde.

Amy wirkte schon Tage zuvor ähnlich aufgeregt wie ich und sie war viel zu Hause, vielleicht um nichts zu verpassen. Endlich war es soweit und ich durfte Nala abholen. Daheim angekommen, war Amy natürlich schon da und wartete. Sie empfing uns freundlich und neugierig.  Nala war äußerst zurückhaltend und schüchtern. Sie schien sogar etwas Angst zu haben. Verständlich, sie hatte zuvor noch nie eine Katze gesehen. Und Amy kam auch noch gleich sehr selbstbewusst und zielstrebig auf Nala zu. Beide wussten nicht so recht, was sie miteinander anfangen sollten! Die ersten Tage waren aufregend. Amy bemühte sich sehr und war stets präsent. Es dauerte nicht lange, bis sie Gefallen aneinander gefunden hatten und sogar miteinander spielten. Zwischenzeitlich hat sich daraus nun eine richtige Freundschaft entwickelt. Amy wartet immer schon aufgeregt auf dem Gehweg, wenn Nala und ich nach Hause kommen und wir werden mit lautem Miaue begrüßt. Natürlich flippt Nala auch immer völlig aus und freut sich wie ein Honigkuchenpferd Amy zu sehen. Die Abfolge ist dann fast immer gleich. Nala und ich gehen durch die Haustüre, während Amy in einem Affenzahn über den Garten durch die Katzenklappe in die Wohnung stürmt. Und dann geht’s erst richtig los - voller Freude und Aufregung springen dann beide durch die Wohnung. Sie fetzen umher und Nala springt dabei zum Teil richtig auf Amy und schleckt sie ab. Amy scheint es zu mögen, denn sie fängt das Ritual ja auch immer an, ist dabei aber selbst sehr vorsichtig. Wenn ich dann noch die Gartentüre aufmache, gibt es kein Halten mehr. Rein, raus, rein, raus und einmal durch den Garten und wieder von vorn. Mal ist Amy die Jägerin und Nala die Gejagte, dann andersrum. Ein Bild für Götter und die Freude der beiden kaum in Worte zu fassen. Wenn sich dann die große Aufregung gelegt hat, legen sich beide zufrieden auf ihre Plätze oder wenn Essenszeit ist, warten beide zusammen auf die Raubtierfütterung. 

Natürlich ist es schön, dass sich beide so mögen. Doch ist seitdem das Gassigehen von zu Hause tabu. Amy möchte immer mit und lauert uns richtig auf. Ich kann mit Nala keinen Fuß vor die Türe setzen, ohne dass sie nicht schon parat steht. Das klingt bestimmt lustig, ist es aber nicht. Gassi mit beiden ist eine Mission impossible. Keiner von beiden konzentriert sich, beide machen die ganze Zeit nur Unsinn und besonders Amy fühlt sich dann immer so richtig stark und muss das dann auch zeigen. Sie bleibt ganz cool da, auch wenn andere Hunde kommen, sie setzt sich mitten auf die Straße, selbst wenn Autos kommen oder quert die Fahrradwege kurz vor den Radfahrern. Oder, sie geht plötzlich nicht mehr weiter (vielleicht aufgrund einer Reviergrenze oder so), setzt sich hin und miaut richtig laut und mitleidserregend, wenn wir weiter gehen, so dass Passanten stehen bleiben und fragen, was denn bloß mit der armen Katze los ist und natürlich versuchen sie zu streicheln oder ihr zu helfen. 

So schön diese Freundschaft auch ist und so sehr ich sie gut heiße- auch ich habe meine Grenzen 😊 Daher haben wir uns angewöhnt nun immer erst ein Stück mit dem Auto oder Fahrrad zu fahren, bevor wir Gassi gehen und die beiden sollen den Garten zum spielen nutzen 😉

Donnerstag, 14. Juni 2018

Das Experiment - ein Sommer lang "Papa"


Gerade in dieser Jahreszeit hat die Natur viel zu bieten. Alles ist grün und blüht, alle sind wieder gerne im Garten oder im Freien.

Ich persönlich bin am liebsten mit meinen Tieren im Garten oder bei meinem Pferd im Stall. Es ist natürlich dabei auch toll die Pflanzen und Blumen zu sehen, aber einen richtig grünen Daumen habe ich leider nicht. Ich genieße es, ohne die jeweiligen Bezeichnungen zu kennen oder selbst bewusst etwas anzupflanzen. Schade eigentlich, da das auch sehr interessant ist und bestimmt Spaß macht. Aber gut, so ist das eben. Trotzdem habe ich diesen Gedanken zum Anlass genommen, mich im Bekanntenkreis umzuhören, was denn nicht alles so auf dem Balkon oder im Garten angepflanzt wird oder auf was andere in dieser Jahreszeit besonderen Wert legen. Jeder erfreut sich schließlich an unterschiedlichen Dingen. Als wir in unserem Team darüber gesprochen haben, hat mir einer meiner Kollegen von einem kleinen Experiment erzählt, welches er durchgeführt hat. Seinen Bericht wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten. Vielleicht habt ihr ja dann auch mal Lust, euch dieser Herausforderung zu stellen 😊  


Ein Sommer lang Papa


Der Titel für meine Geschichte mag einem auf den ersten Blick etwas verwirrend erscheinen. Hier geht es auch nicht in erster Linie darum eine Vaterrolle für ein Kind übernommen zu haben; ebenso wenig Herrchen für ein Tier gewesen zu sein. Es geht um die Zeit mit einer  Pflanze.


Ja, auch Pflanzen brauchen einen Beschützer, denn selbst sie fangen ganz klein an und überragen nach Jahren sogar Häuser. Das ist äußerst beeindruckend und eine optimale Entwicklung ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Das wollte ich mir genauer anschauen und habe mir daher vorgenommen, mich diesen Sommer mit Pflanzen zu beschäftigen. Und zwar mit einer ganz besonderen.  


In meiner folgenden Geschichte geht es um eine scharfe Beere – die Chili.


Am bekanntesten ist die Sorte der länglich roten Chilis, und an genau diese habe ich mich herangewagt. Es ist immer einfach, durch unsere Supermärkte zu laufen, sich fertige Chilis in den Einkaufswagen zu legen und an der Kasse zu bezahlen. Allerdings selber den Weg vom Samen bis zur fertigen Frucht zu gehen, bedeutet viel Ausdauer und auch Verantwortung.


Angefangen mit einem passend roten Gewächshaus, ein paar Chili Samen und unfertigen (noch trockenen und zusammengepressten) Quelltöpfen, habe ich meine Aufzucht begonnen.


Die Quelltöpfe habe ich in das Gewächshaus gelegt, mit der kleinen Öffnung nach oben, in die später die Samen hineingegeben werden. Das Gewächshaus, das ich benutzt habe, hatte extra kleine Einkerbungen, damit die Quelltöpfe Halt bekommen können. Sobald die Erdtabletten ausgelegt waren, konnte ich langsam Wasser auf den Boden des Gewächshauses gießen. Immer wieder habe ich diesen Vorgang wiederholt, bis die Quelltöpfe richtig vollgesogen waren. Bestimmt 10 cm sind sie dabei aufgegangen. Während der 2 Stunden Aufquellzeit habe ich mich ein bisschen von Kochbüchern inspirieren lassen, wie man Chilis am besten in Gerichten einsetzen kann.

Bis dahin war es auch noch absolut klar, dass am Ende, bei einer erfolgreichen Ernte, die Schoten zum Kochen verwendet werden würden. Dazu später aber mehr…


Die nächste Etappe beinhaltete im Prinzip nur das Einlegen der Samen in die kleinen Öffnungen der herangewachsenen Quelltöpfe. Mit leichtem Nachdrücken sichert man den Kontakt mit der Erde und somit mit der Feuchtigkeit, die zur Keimung absolut notwendig ist. Samen können unfassbar hart sein, sie zählen nicht ohne Grund zum Teil zu einem der härtesten Bewohner unseres Planeten. Bis die ersten ihre kleinen Köpfchen aus dem Saatkorn strecken, dauert es ein wenig, da sich zudem, wie ein kleines Biotop, das Gewächshaus erst einmal entwickeln muss. Ich habe in der Hinsicht die Schotten der Kinderstube dicht gelassen und sie absichtlich direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Wenn die Quelltöpfe auf trockenem Boden standen, habe ich natürlich sofort nachgegossen. Auch die Kleinen können schon sehr durstig sein.

Diese Phase der jungfräulichen Aufzucht wird solange durchgezogen bis die Pflanzen das Dach des Gewächshauses berühren. Zwischenzeitlich habe ich allerdings angefangen die Luftschlitze halb bis ganz zu öffnen, damit kein Moor entsteht. Diesbezüglich muss man stark Acht geben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei geringster Überwässerung kleine Tierchen anfangen sich breit zu machen. Auch minimal „schimmelartig“ hat es 1-2 Pflänzchen überzogen, was schnell wieder mit einer kleinen Wasser – Diät beseitigt werden konnte 😊


Jetzt kommen wir zu meiner Lieblingsstelle: dem Umtopfen.

Wichtig ist hierbei, Wert auf die starken Pflanzen zu legen. Die haben absolut Vorrang und bekommen die VIP Plätze im neuen, großen Topf. Wenn man es jetzt schon nicht übers Herz bringen kann, dann darf man natürlich auch die schwachen Pflanzen mit umziehen lassen.

Der Knackpunkt hierbei war, dass meine kleinen Chili-Kinder einer ganz neuen Gefahr ausgesetzt wurden: dem Garten. Die rote Kinderstube wurde geleert und geputzt, für die nächste Generation im kommenden Jahr. Ein vor Schnecken und Schädlingen ungeschützter Topf ist nun das Zuhause geworden. Jetzt kommt die Zeit richtig Verantwortung zu übernehmen.

Ausgerüstet mit einem natürlichen Dünger und Kupferbändern gegen die schleimige Gefahr - die Schnecken-, habe ich die Herausforderung angenommen. Verantwortung bedeutet nicht nur morgens und abends zu gießen, sondern auch sicherzustellen, dass Erde und Pflanze sich ungestört vereinigen.

Diesen Schritt hatte ich geschafft. Das erste Glücksgefühl kam auf, als sich kleine weiß-gelbe Blüten gebildet hatten. Der ein oder andere erfahrene oder berufliche Züchter mag jetzt schmunzeln, aber bei einem Rookie wie mir kam ein weites Grinsen auf.


Doch die nächste Challenge, und wie mir bewusst wurde eine der wichtigsten, kam auf mich zu und ich musste mir weitere Fragen stellen. Ist mein gewählter Ort zur Aufzucht auch ordentlich gewählt? Wo bleiben die Bienchen? Braucht es die überhaupt? Dr. Google habe ich absichtlich nicht zu Rate gezogen. Das musste ich selber herausfinden. Der Pflanzengott (sofern es ihn gibt 😊) war auf meiner Seite. Die Blätter fielen nach und nach ab und es entstanden die ersten Mini-mini-mini Schötchen.


Abwarten und beim Wachsen zusehen waren nun meine wichtigsten Aufgaben in der nächsten Zeit.

Zwischendurch plagten mich die ein oder anderen Fraßspuren an den Blättern, das Wetter, welches nicht mitspielen mochte oder schlichtweg die eigene Ungeduld. Meine Teenager-Chilis wollten aber auch zum Teufel komm raus nicht rot werden. Über die eigene Handlänge hinaus sind sie gewachsen, zahlreich, teilweise nahmen sie sich gegenseitig das Sonnenlicht. Aber die gewünschte Farbe blieb aus…

Die Saison schien schon langsam ihr Ende zu finden und mitgleich meine Hoffnung auf saftig rote Chili-Früchte. Waren etwa alle Anstrengungen umsonst gewesen? Ich wusste, ich hatte einfach viel zu spät mit meiner Aufzucht begonnen. Pläne wurden geschmiedet, die Töpfe wieder ins Haus zu stellen unter anderem mit Rotlicht-Aufbauten oder spezielle Leuchtstoffröhren zu kaufen, um starkes Sonnenlicht zu inszenieren.


Ein Wetterumschwung. Sonne. Mindestens eine Woche lang und pausenlos. Die Chance!


Es muss diesen „Pflanzengott“ geben, denn er half mir. Anfangs minimal, die Spitzen orange-farben getränkt, entwickelte sich die Farbe doch tatsächlich noch zu einem saftig satten Rot.

Aus dem anfänglichen Grinsen wurde Freude. Mit der Ernte besiegelte ich mein Glück. Ein stolzer Chili-Papa bin ich gewesen.


Die Frage wie meine Chilis geschmeckt haben und wie scharf sie waren, kann ich dennoch nicht beantworten. Wie zuvor schon angedeutet, war der Ausgang nicht hundertprozentig deklariert.

Aber sie zum Kochen zu benutzen, stand nach dieser gemeinsamen Zeit definitiv nicht mehr zur Debatte 😉